Synagoge

Die Synagoge

Die „Großherzogliche Landesdirektion Würzburg“ genehmigte am 2. April 1808 den Bau einer Synagoge in Oberelsbach. Im Jahr 1810 erhielt die israelitische Kultusgemeinde Oberelsbach 300 m² Grund von Michael Stern geschenkt. Die Synagoge lag direkt an der Els, im Süden der Marktgemeinde. In diesem Bereich wohnten die meisten jüdischen Familien.

 

Diese frühere Synagoge wurde beim großen Brandunglück vom 27. September 1895, bei dem 2/3 Oberelsbachs ein Raub der Flammen wurde, ebenfalls in Schutt und Asche gelegt. Vor dem Wiederaufbau der Synagoge am heutigen Standort war vermutlich ein Betraum im Gebäude der jüdischen Schule in der Steingasse untergebracht. So lassen sich auch die Aussagen älterer Oberelsbacher erklären, die berichteten, dass dieses Gebäude nach dem Brand 1895 bis zum Bau derselben als Synagoge  genutzt wurde.

Der Neubau der Synagoge wurde im Februar 1898 amtlich genehmigt, am 15. Oktober 1898 fertiggestellt und am 18. August 1899 feierlich eingeweiht. Beim Neubau wurde die jüdische Gemeinde von einem nach Amerika ausgewanderten Juden namens Rhöner finanziell unterstützt. Zum Gedenken an diesen wurde an der Synagoge eine 20×30 cm große Kupfertafel angebracht, die jedoch nach der Räumung derselben im Jahr 1938 spurlos verschwunden ist.

Die Rückzahlung des für den Synagogenneubau aufgenommenen Kredits  gestaltete sich noch im Jahr 1911 schwierig, weil zu diesem Zeitpunkt nur noch 16 Mitglieder zur Umlage verpflichtet waren. Der Kaufmann Salomon Schloss übte die liturgischen Dienste ehrenamtlich aus, so dass für die liturgischen Dienste keine Kosten anfielen.

Ein 9 m breites und 10,5 m langes Rechteck bildet den Grundriss der zweigeschossigen, von einem flachen Satteldach abgeschlossenen Synagoge. Der hohe Sockel der dem Dorf zugewandten Nord- und Westseite wurde mit sorgfältig behauenen Kalksteinquadern verkleidet, der Sockel der Süd- und Ostseite besteht aus Bruchsteinen. Das Mauerwerk der Schauseiten bestand aus Verblendziegeln, während die beiden anderen Seiten aus Backsteinen gemauert waren. Über eine Freitreppe mit fünf Stufen erreichte man das rundbogige Hauptportal an der Nordseite. Vom Flur aus erschloss sich der rund sieben Meter breite und ca. neun Meter tiefe Betsaal, der die ganze Höhe des Gebäudes einnahm und von einer in Brauntönen bemalten Flachdecke abgeschlossen wurde. Im Obergeschoss, das man über eine zweiläufige Treppe erreichte, war die U-förmige Frauenempore untergebracht, die über dem Flur und entlang der Längswände verlief. Die Synagoge hatte Rundbogenfenster und die Thoranische sowie Gesetzestafeln als Giebelbekrönung.

 

Am 1. Oktober 1938 wurde die Synagoge von der Kreisbauernschaft Neustadt a. d. S. beschlagnahmt, um für den  Darlehenskassenverein Oberelsbach Brotgetreide darin zu lagern. Zu diesem Zweck kamen zwei Beamte nach Oberelsbach, die die Juden veranlassten, ihre Synagoge zu räumen. Anfangs weigerten sie sich, da es an einem Sabbat war, kamen aber schließlich der Aufforderung nach. Als ihnen jedoch befohlen wurde, die Thorarollen selbst aus der Synagoge zu werfen, leisteten sie – und da besonders Max Silbermann – heftigen Widerstand. Max Silbermann wurde daraufhin in die unterhalb der Synagoge vorbeifließende Els geworfen und von ebenfalls anwesenden SA-Männern getreten und geschlagen. In der Ortsbevölkerung rief dieses Vorgehen große Empörung hervor.

 

Die in der Synagoge aufbewahrten Gegenstände und Sachwerte wurden zunächst vom Kultusvorstand Max Frank verwahrt. Es verblieben nur noch der Altar, der Leuchter und zwei Vergitterungen. Der Altar wurde später auf Veranlassung der Gemeindeverwaltung Oberelsbach ebenfalls entfernt und bei Moritz Kahnlein, ab 1940 beim Kultusvorstand Samuel Silbermann, aufbewahrt. Thorarollen, Gebetsmantel und Gebetbücher wurden mit ziemlicher Sicherheit vom damaligen Kultusvorstand Max Frank, der 1939 in die USA emigrierte, in eine Kiste gepackt und an den Verband der Israelitischen Gemeinden in München geschickt. Die Stühle wurden später von den Juden verbrannt, da ihnen kein anderes Brennmaterial zur Verfügung stand; die Bänke dagegen sollen noch im Jahr 1940 in der Synagoge gewesen sein.

Während des Krieges, etwa ab 1940/41 waren serbische Kriegsgefangene in der Synagoge untergebracht. Nach Kriegsende stand das Gebäude leer.

Im Jahr 1949 überlegte die Gemeinde Oberelsbach, die Synagoge für Schulzwecke zu erwerben. Allerdings teilte die JRSO (Jewish Restitution Successor Organization = Jüdische Rückerstattungs-Nachfolgeorganisation) mit, dass der vorgeschlagene Kaufpreis zu niedrig sei.Am 05. Dezember 1952 wurde vom Gemeinderat der Kauf der Synagoge aus Kostengründen endgültig abgelehnt.

Die Synagoge wurde 1954 von einer Privatperson erworben, lange Zeit als Privathaus mit Fotoatelier, zeitweise auch als Diskothek und Café/Restaurant genutzt. Danach stand sie einige Jahre leer. 2009 wurde die ehemalige Synagoge unter Denkmalschutz gestellt. Mittlerweile hat das Gebäude einen neuen Eigentümer und wurde als Wohnhaus liebevoll und umsichtig restauriert.

 

An der Südseite wurde über dem Sockel vom Markt Oberelsbach eine Gedenktafel angebracht:

„Dieses Gebäude, erbaut 1899, diente der jüdischen Kultusgemeinde OBERELSBACH als Synagoge. Zur Erinnerung und Mahnung.“[1]

 

 

[1]  Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333

   Heimatjahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217

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