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Zwischen Neustädtles und Willmars liegt auf einem Waldgrundstück ein jüdischer Friedhof, der für die Gemeinden Oberelsbach, Nordheim und Willmars als Begräbnisstätte diente. Er hat eine Fläche von 4780 m² und ähnelt im Aussehen einem Dreieck. Dieser ist vermutlich im 18. Jahrhundert entstanden und hat sowohl einen alten – nach Norden liegenden – Teil, in dem sich ca. 1300 Gräber befinden, als auch einen neuen Teil mit 113 Gräbern, der in der Nähe des Eingangstores liegt.
Im älteren Teil sind die Grabsteine reich verziert, haben eine große Formenvielfalt und stehen z. T. auf Sockeln. Die Inschriften sind dort fast nur hebräisch. Viele der Grabsteine sind bereits verwittert.
Die neueren Grabsteine sind relativ schlicht und meist mit Schrifttafeln versehen, entweder nur in deutscher Schrift bzw. hebräischer auf der Vorderseite und deutscher auf der Rückseite.[1]
Oberelsbach erhielt 1918 neben Nordheim und Willmars als dritte Gemeinde einen Anteil am jüdischen Friedhof in Neustädtles, da die Kultusgemeinde Weimarschmieden zum Ende des 1. Weltkrieges aufgelöst wurde.[2]
Ein jüdischer Friedhof, („bet o lam“ im hebräischen, d.h. „Haus der Ewigkeit“) kennt keine Ruhefristen wie ein christlicher Friedhof, die Totenruhe ist auf Dauer angelegt. Erdbestattung ist vorgeschrieben.
Die Verstorbenen werden in einen schlichten, rechteckigen Sarg aus weichem Holz gelegt, der keinerlei Verzierungen, Schnitzereien oder sonstigen Schmuck hat. In den Sarg werden Löcher gebohrt, um die Verwesung der Leiche zu beschleunigen.
Die jüdische Bestattungskultur sieht eine Beerdigung am nächsten Tag vor, außer dies wäre ein Sabbat. Das Mitbringen von Blumen oder Kränzen zur Trauerfeier ist im Judentum ebenso unüblich wie später Blumenschmuck auf den Gräbern.
In jüdischen Gemeinden ist es üblich, den Toten „einige Ellen“ Geleit zu geben.[3]
Bei Beerdigungen von jüdischen Mitbürgern begleiteten die Oberelsbacher christlichen Bürger den Trauerzug immer bis zum Ortsausgang Richtung Neustädtles und gaben den verstorbenen Mitbürgern Geleit. Dort warfen sie sich – gemäß einem jüdischen Brauch – einen Stein nach hinten über den Kopf und kehrten ins Dorf zurück, während die Juden zum Friedhof nach Neustädtles weiterzogen.[4]
Bei Besuchen am Grab ist es auch später nicht üblich, Blumen mitzubringen und niederzulegen. Stattdessen werden kleine Steine auf den Grabstein bzw. die Grabplatte gelegt.
Die letzte Beerdigung eines in Oberelsbach wohnenden Juden, die im Friedhofsregister eingetragen ist, war im Jahr 1935. Babette Silbermann wurde am 24.02.1869 in Reyersbach geboren, ihr Geburtsname war Kahnlein, sie verstarb am 08.01.1935 und wurde auf dem jüdischen Friedhof Neustädtles beerdigt.[5] Sie war verheiratet mit Heinrich Silbermann, der 1942 über Würzburg nach Theresienstadt deportiert und ermordet wurde.
Möglicherweise wurde der am 24.06.1941 im Krankenhaus Bad Neustadt a.d.S. verstorbene Samuel Silbermann ebenfalls in Neustädtles beigesetzt, obwohl sich dort kein Grabstein befindet.[6]
Seine Ehefrau Betti Silbermann wurde ebenfalls über Würzburg nach Theresienstadt deportiert und ermordet.
[1]https://www.ikg-bayern.de/neustaedtles/ vom 02.06.2025
[2]„Mehr als Steine – Synagogengedenkband Bayern Band III 2.1“, S. 819-838
[3]https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Bestattung vom 03.07.2025
[4]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimatjahrbuch Rhön-Grabfeld 2015 S. 196-217
[5]Vielen Dank an Elisabeth Böhrer für den freundlichen Hinweis.
[6]Herzlichen Dank an Elisabeth Böhrer für die Überlassung des Verzeichnisses zur Belegung des Friedhofs Neustädtles. Evtl. wurde Samuel Silbermann auf dem jüdischen Friedhof Neustadt a. d. S. bestattet.
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