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Franken ist eine Region mit großer jüdischer Vergangenheit. Die Juden haben das Leben nicht nur in Franken in Kultur, Wirtschaft und Politik maßgeblich geprägt. Einige (unter-) fränkische Juden wanderten nach Amerika aus und nahmen im 19. Jahrhundert entscheidenden Einfluss auf das öffentliche und wirtschaftliche Leben in den Vereinigten Staaten.
Einige dieser berühmten Persönlichkeiten werden hier vorgestellt:
Jacob Löb Eltzbacher wurde am 22. November 1755 in Oberelsbach geboren. Sein Vater hieß „Löb“ und trug zu dieser Zeit noch keinen Nachnamen. Diesen nahm später erst sein Sohn an und der Geburtsort wurde zum Familiennamen. In einer Urkunde von 1775 wird er bereits „Jacob Löb Eltzbacher“ genannt.
Zunächst soll er die berühmte Talmudschule in Fürth besucht haben, bevor er „als Waise und ohne jedes Vermögen“ nach Neuenkirchen an der Weser kam. Dort erwarb er sich schnell Reichtum und Ansehen, so besaß er bereits 1781 zwei Häuser. Am 20. November 1781 heiratete er in Neuenkirchen Frommet Levi, die Tochter des Salomon Levi. Sie war verwitwet und vom verstorbenen Ehemann schwanger, als die Verbindung vereinbart wurde.
Salomon Levi war – wie später auch sein Schwiegersohn Jacob Löb Eltzbacher – Hofbankier des in Wien residierenden Landesherrn, des Fürsten Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg. „Fürst Wenzel Anton Graf Kaunitz-Rietberg (1711-1794) war ein Staatsmann von europäischem Rang. Er war ein zum Fürsten und Staatskanzler der Kaiserin Maria Theresia aufgestiegener Landesherr.“ Er war auch der langjährige Vorgesetzte des Egid von Borié (1719-1793), der u. a. Besitzer des Schlosses Neuhaus an der Saale (heute ein Staddteil von Bad Neustadt an der Saale) war.
Nach dem Tod seines Schwiegervaters ernannte der Fürst den erst 25-jährigen Jacob Löb Eltzbacher zum Hofbankier. Er diente dem Fürsten Wenzel Anton und danach dessen Sohn und Enkel viele Jahre, bevor er im Jahr 1817 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand trat. Jacob Löb Eltzbacher verstarb am 8. Januar 1825 und hinterließ seinen Erben ein beträchtliches Vermögen. Die Familie Eltzbacher gehörte gegen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu den wohlhabendsten in der Grafschaft Rietberg. Sie rangierte unmittelbar nach dem Fürstenhaus. Ihr Lebensstil orientierte sich am Adel und war großbürgerlich geprägt.
Als letzte Nachfahren der Eltzbachers verließen 1938 Theresia Eltzbacher und ihre Kinder Kurt und Leo Deutschland. Ihr Ehemann Arthur Eltzbacher, der am 18. März 1869 in Neuenkirchen geboren wurde, hatte sich am 25. April 1936 das Leben genommen, da für ihn der zunehmende Antisemitismus und die Repressalien durch die Nazis unerträglich wurden. Theresia Eltzbacher starb am 15. Sept. 1939 während der Überfahrt in die USA. Kurt Eltzbacher änderte in den Vereinigten Staaten seinen Namen in Curt Ellis Baker.[1]
[1]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2013 S. 70-75
Am 09.12.1821 wurde Mark Goldmann in Trappstadt bei Bad Königshofen im Grabfeld im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld als 6. Kind der Familie geboren. Sein Vater war Viehhändler und Landwirt, seine Mutter Ella Kahn stammte aus Walldorf bei Meiningen. Kindheit und Jugend verbrachte er in Trappstadt bis er 1848 mit seinen Geschwistern Regina und Simon nach Amerika auswanderte. Ein Beamter der Einwanderungsbehörde änderte seinen Namen in Marcus Goldman. Zunächst war er als Hausierer unterwegs, eröffnete in Pennsylvania einen Krämerladen und lernte seine Ehefrau Bertha kennen, mit der er sich in New York niederließ. Dort mietete er in der Nähe der Wall Street ein kleines Büro und brachte ein Schild mit der Aufschrift „Marcus Goldman & Co“ an. Zunächst handelte er mit Schuldscheinen von Diamanten- und Tabakhändlern. Da die Geschäfte gut liefen, trat sein Sohn Henry in die Firma mit ein. Im Jahr 1894 zog Marcus Goldman sich aus der Bank zurück, er verstarb am 20.07.1904 in New York. Ab 1896 handelte die Firma Unternehmensanteile an der New Yorker Börse.[1]
Auch die Familie Sachs stammte ursprünglich aus Unterfranken, der Vater Joseph Sachs aus Rödelmaier bei Bad Neustadt a. d. S., die Mutter Sophia Bär aus Würzburg. Er wurde am 04.08.1816 in Rödelmaier geboren und starb am 14.08.1868 im Alter von 52 Jahren während eines Kuraufenthaltes in Bad Kissingen. Beigesetzt wurde er auf dem jüdischen Friedhof in Kleinbardorf, wo traditionell die jüdischen Bewohner aus Rödelmaier bestattet wurden.
Joseph Sachs und Mark Goldmann wanderten gemeinsam 1848 in die Vereinigten Staaten aus. Sohn Samuel wurde am 28.07.1851 in Maryland geboren und heiratete 1882 Louisa Goldman, die Tochter von Marcus Goldman. Ebenfalls 1882 trat er in die Firma seines Schwiegervaters ein, die fortan „M. Goldman Sachs“ hieß und zur weltberühmten Investmentbank „Goldman Sachs“ wurde. Samuel Sachs ging 1928 in den Ruhestand und verstarb am 02.03.1935 in New York.[2]
[1]http://grabfeld-geschichte.de/mark-goldmann-die-legende-aus-trappstadt/ vom 04.06.2025
[2]https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/herr-sachs-aus-roedelmaier/ vom 04.06.2025
1785 wurde Abraham Löw geboren, er verstarb am 20.04.1865 in Rimpar bei Würzburg. Gemäß der Matrikelgesetze benannte er sich in Lehmann um. Abraham hatte 10 Kinder, darunter die Söhne Hayum (Henry), Mendel (Emmanuel) und Maier (Mayer), die zwischen 1844 und 1850 nach Amerika auswanderten und in Montgomery, Alabama die Fa. „Lehman Brothers“ als Hausierhandel mit Pferdewagen gründeten. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg verlegten sie den Firmensitz nach New York und gründeten ein Bankhaus. Am 15.09.2008 musste die Investmentbank aufgrund der Finanzkrise Insolvenz beantragen.[1]
[1]https://wuerzburgwiki.de/wiki/Abraham_L%C3%B6w_Lehmann vom 04.06.2025
Er wurde als Löb Strauß am 26.02.1829 in Buttenheim (bei Bamberg) in Oberfranken als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater Hirsch Strauß war Hausierer und starb an Tuberkulose, als Löb 16 Jahre alt war. Durch den Tod des Vaters geriet die Familie in wirtschaftliche Not. 1847 wanderte seine Mutter Rebecca mit ihm und zwei seiner Schwestern in die USA aus. Sie folgten damit den beiden ältesten Strauss-Brüdern nach New York, die sich dort ihr Brot durch Textilhandel verdienten. Löb Strauß nannte sich fortan Levi Strauss, erwarb die amerikanische Staatsbürgerschaft und arbeitete im Geschäft der Brüder.
Im Zuge des Goldrausches in San Francisco zog Levi Strauss 1853 ebenfalls dorthin und gründete mit seinem Schwager und seinem Bruder Louis einen Handel für Dinge des alltäglichen Bedarfes, darunter auch Textilien und Kurzwaren.
Als Großhändler vertrieb er auch sogenannte „Duck Pants“ aus einem Baumwoll-Segeltuch-Stoff, die allerdings wegen fehlender Wirtschaftlichkeit aus dem Sortiment genommen wurden, da die Nähte der Hosentaschen nicht robust genug waren, denn die Goldgräber stopften in diese allerhand Material aus den Minen. Im Dezember 1870 verstärkte der Schneider Jacob Davis, der seine Tuchballen von Levi Strauss bezog, die Ecken der Hosentaschen mit Nieten. Allerdings fehlte ihm das für die Patentierung erforderliche Geld, weshalb er sich an Strauss wandte. Strauss unterstützte die Idee und gemeinsam mit Davis erhielt er am 20.05.1873 das Patent. Die Nachfrage nach den vernieteten „Waist Overalls“ war so groß, dass bis zum Ende des Jahres 70.500 Hosen und Mäntel aus Denim verkauft und in zwei Fabriken produziert wurden. Zehn Jahre später waren bereits 535 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig.
Levi Strauss verstarb am 26.09.1902 starb im Alter von 73 Jahren in seinem Haus in San Francisco, in dem er mit der Familie seiner Schwester Fanny lebte.
Seine 1853 gegründete Firma Levi Strauss & Co. hinterließ er seinen vier Neffen, da er selbst keine Kinder hatte. [1]
[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Levi_Strauss vom 04.06.2025
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