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Moritz Kahnlein wurde am 18.12.1877 als Moses Kahnlein in Reyersbach als Sohn von Feibel Kahnlein und dessen Frau Hanna, geb. Sachs geboren. Moritz entstammte einer alteingesessenen Reyersbacher Familie, die schon im Jahre 1817 in den Matrikellisten genannt wurde.
Sein Vater Salomon Feibel Kahnlein, geb. am 03.04.1841, war von Beruf Metzgermeister und wohnte in Reyersbach in der Hausnr. 6.
Feibels Eltern hießen Moses Kahnlein und Jedel Lichtstern, die aus Weisbach stammte.[1]
Moritz heiratete im April 1907 Marianne, geb. Wildberg (geb. am 03.08.1877 in Kleinbardorf). Bis zum Jahre 1907 war er Viehhändler und Metzger im elterlichen Geschäft, danach selbständiger Viehhändler. Ungefähr 1930 übernahm er in Oberelsbach die Eisenwarenhandlung des gebürtigen Weisbachers Markus Lichtstern, als dieser im Juni 1930 verstarb. Markus Lichtstern war vermutlich ein Verwandter seiner Großmutter Jedel Lichtstern. In Oberelsbach wohnte die Familie in der Hausnummer 192.
Mit seiner Frau Marianne hatte er zwei Söhne, Albert (geb. am 4. 11. 1908) und Siegfried (geb. am 16. 9. 1912), die beide in seinem Heimatort Reyersbach geboren waren.
Als Juden im Jahr 1937 der Viehhandel verboten wurde, musste Moritz diesen zum 1. Januar 1938 aufgeben. Zum 1. Dezember 1938 folgte die Abmeldung der Eisenwarenhandlung, da mittlerweile verfügt war, dass zum 31. Dezember 1938 alle jüdischen Gewerbebetriebe abgemeldet sein mussten.
In der Pogromnacht wurden die Schaufensterscheiben ihres Hauses eingeschlagen und im Inneren Gegenstände beschädigt bzw. zerstört. Die Täter waren nicht aus Oberelsbach, sondern kamen aus Ostheim v. d. Rhön. Moritz Kahnlein wurde zusammen mit seinem Sohn Albert und zwei weiteren Oberelsbacher jüdischen Bürgern in „Schutzhaft“ im Amtsgerichtsgefängnis Bad Neustadt a. d. S. genommen und bis 19. November 1938 inhaftiert.[2]
Währenddessen waren Moritz und Marianne gezwungen, ihr Wohnhaus „zu verkaufen“ und zusammen mit weiteren Oberelsbacher Juden im Haus von Samuel und Betty Silbermann in der „Zwangswohnung“ zu leben.
Am 22. April 1942 kam Moritz mit seiner Frau und zwei Oberelsbacher Jüdinnen zunächst nach Bad Neustadt a. d. S. Ein PKW der Firma Lesch aus Bad Neustadt a. d. S. holte sie ab, ein Zug brachte die Oberelsbacher mit weiteren 55 Juden aus dem damaligen Landkreis Bad Neustadt nach Würzburg. Bei der Durchsuchung im Platz’schen Garten wurden ihm zehn Esslöffel und acht Kaffeelöffel, ein Messer und eine Gabel abgenommen. Drei Tage später wurden sie nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet.[3]
[1]Herzlichen Dank an Reinhold Albert, der mir die Transkription der Matrikelliste Reyersbach der Fam. Kahnlein zur Verfügung stellte.
[2]Mehr als Steine – Synagogengedenkband III/2.1, S. 831
[3]Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217
Chronik des Marktes Oberelsbach, 2012, S. 321-333
https://jufged.rotraud-ries.de/jg-oberelsbach/
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