Jüdisches Leben in Oberelsbach

Jüdisches Leben in Oberelsbach und Weisbach

In Oberelsbach gab es eine lange Tradition der israelitischen Gemeinde. Diese wird nämlich bereits seit mehreren Jahrhunderten urkundlich erwähnt. Schon im 15. Jahrhundert hatten die Juden in Handel und Gewerbe eine dominierende Stellung. Ein Verzeichnis vom 6. Mai 1699 zählt für Oberelsbach 15 jüdische Bewohner auf. Alle drei namentlich genannten Familienvorstände besaßen einen Schutzbrief und hatten sowohl stets ihr Schutzgeld als auch an die Gemeinde jährlich vier Gulden „für Waßer und Weyd“ bezahlt. Die Mehrzahl der jüdischen Bewohner lebte 1803 in eigenen Häusern. Die Matrikelliste von 1817 nennt für Oberelsbach insgesamt elf Matrikelstellen.

 

Bereits im 18. Jahrhundert lebten in Weisbach Jüdinnen und Juden, denn es existiert ein Schutzbrief für Samuel Moyses aus Weisbach, ausgestellt im Jahr 1765. Gebürtige Weisbacher waren auch in andere Orte umgezogen, so z. B. der in Bibra verstorbene Ahron Weißbacher (1781-1841), dessen Sterbeeintrag explizit erwähnte, dass sowohl er als auch seine Eltern aus „Weißbach vor der Rhön“ stammten. Laut den Volkszählungsakten von 1813 lebten zu diesem Zeitpunkt 22 Jüdinnen und Juden dort. Als sich die Weisbacher jüdischen Familienvorstände 1817 in Matrikel eintrugen, gab es drei Haushalte. Die Familien trugen als neue Familiennamen „Schloss“, „Goldvogel“ und „Lichtstern“. Aus dem Jahr 1839 ist belegt, dass Weisbach eine „Bethstube“ hatte. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Gläubigen aus Weisbach an den Feiertagen die Synagoge in Oberelsbach besuchten. 

 

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren die drei genannten Familien in Weisbach ansässig.

 

Eine bekannte Adresse war um 1900 die koschere Metzgerei von Frieda und Salomon Lichtstern. Salomon Lichtstern, geb. 28.10.1859, verstorben 10.04.1933, war verheiratet mit  Frieda geb. Kahn aus Gleicherwiesen in Thüringen. Sein Vater war Hirsch Lichtstern (22.07.1824–13.07.1904), seine Mutter Emma geb. Goldner (1832 – 17.11.1903). Salomon und seine Frau hatten 5 Kinder: 

  • Ida, geb. 28.11.1893, heiratete den in Hamburg lebenden Christen Georg Keller, beide überlebten die Shoa in einem Kellerversteck.
  • Max, geb. 23.05.1896, vh. mit Selma Haas. Er übernahm die Gastwirtschaft und koschere Metzgerei seiner Schwiegereltern in Bad Neustadt. 1937 emigrierte die Familie nach Argentinien.
  • Meta, geb. 23.05.1896, die Zwillingsschwester von Max, heiratete den Metzger Moritz Löwenstein aus Richelsdorf in Hessen. Moritz Löwenstein kam in Theresienstadt ums Leben.
  • Isidor, geb. 05.02.1898, vh. mit Lea geb. Sitzmann aus Unterrriedenberg. Er wanderte mit seiner Familie und seiner Mutter Frieda 1940 in die USA aus.
  • Albin, geb. 30.10.1902, vh. mit Selma geb. Sitzmann, die eine Schwester seiner Schwägerin Lea war. 1928 verkaufte er seinen Besitz in Weisbach und zog mit seinen Eltern nach Unterriedenberg zur Familie des Schwiegervaters, Viktor Sitzmann. Gemeinsam mit seinem Bruder Isidor führte Albin den Handel mit Kolonialwaren und landwirtschaftlichen Geräten bis er 1937 in die Vereinigten Staaten von Amerika emigrierte.

 

Der Vater Salomon verstarb am 10.04.1933 in Unterriedenberg.

 

Hirsch Schloß, vh. mit Ella, ging unterschiedlichen Gewerben nach, um den Lebensunterhalt sicherzustellen. 1869 meldete er eine Bäckerei, 1874 und 1888 eine Metzgerei zum Schlachten von Kleinvieh wie Ziegen, Schafe und Kälber sowie 1889 einen Brothandel an. Für letzteren bezog er das Brot vom Bäcker Wethmüller aus Oberelsbach.

Isaak Goldvogel war Viehhändler. Seine Mutter Dorothea starb 1885 im Alter von 81 Jahren.

Ab ca. 1900 beteiligten sich die jüngeren Jüdinnen und Juden auch am Weisbacher Kulturleben.

Weisbach und Oberelsbach bildeten während des 19. Jahrhunderts eine Kultusgemeinde. Dies betonte beispielsweise 1864 der Oberelsbacher Kultusvorsteher, und auch 20 Jahre später wurde in einem Dokument vom 4. August 1884 auf die vollzogene Fusion der beiden Gemeinden verwiesen. In offiziellen Statistiken wurden beide Gemeinden allerdings noch bis 1906 getrennt aufgeführt. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Neustädtles beigesetzt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schrumpfte die jüdische Gemeinde, da junge Weisbacher in größere Ortschaften verzogen, um dort ihren Lebensunterhalt leichter verdienen zu können. So zogen auch Angehörige der Lichtsterns nach Oberelsbach.

 

Das Zusammenleben zwischen Juden und Christen in Oberelsbach verlief bis 1933 völlig problemlos, denn es gibt keinerlei Zeugnisse über antisemitische Kundgebungen vor dieser Zeit.

 

Am geselligen Leben des Marktes nahmen auch die Jüdinnen und Juden Oberelsbachs Anteil und engagierten sich im 1890 gegründeten Rauchklub „Nikotia“ und dem 1899 für die Aufführung von Theaterstücken ins Leben gerufenen Verein „Rhöngeist“. So waren an der Gründung des „Turnvereins Oberelsbach“ am 17. April 1910 auch Max Silbermann, Sigmund Hirsch und Sigmund Lichtstern beteiligt. Der im Jahr 1876 gegründete „Rhön-Club“ wies um 1930 Heinrich, Max und Samuel Silbermann als Mitglieder aus. Nach dem Jahr 1918 war Manfred Silbermann Mitglied der Lichtstube.

 

Wie in anderen Gemeinden auch, nahmen deutsche Soldaten jüdischen Glaubens am 1. Weltkrieg teil. Einer von ihnen war Gabriel Haas, der auf dem Foto in seiner Soldatenuniform zu sehen ist. Aus Oberelsbach fielen zwei von ihnen, ihre Namen sind auf dem Kriegerdenkmal der Gemeinde Oberelsbach aufgeführt: Leo Frank (geb. 31.01.1888, gef. 26.02.1915) und Julius Silbermann (geb. 28.02.1894, gef. 17.12.1918).

 

Die politischen Veränderungen in Deutschland blieben in Oberelsbach für die jüdischen Mitbürger zunächst ohne große Auswirkungen, Bürgermeister und Gemeinderat legten weiterhin Wert auf ein gutes Miteinander in der Bevölkerung.

 

Doch in den Gremien gab es rasch Veränderungen:

 

Nach der Reichstagswahl vom 05.03.1933 waren im Oberelsbacher Gemeinderat 4 Parteien vertreten, doch im Rahmen der „Gleichschaltung“ wurden die 5 Mitglieder anderer Parteien durch NSDAP-Mitglieder ersetzt. Hier wurde zum ersten Mal – selbst für kleinere Gemeinden – deutlich, dass die Nationalsozialisten die gesamte Macht an sich rissen und jegliche Opposition im Keim erstickten. Ihr Ziel war es, möglichst schnell ihr totalitäres System aufzubauen – und das nicht nur in den Städten – sondern bis in die kleinsten Ortschaften des Landes.

 

Die Oberelsbacher Bürger beteiligten sich nicht an judenfeindlichen Ausschreitungen. Am 19.08.1934 fand ein Jahrmarkt statt, bei dem „…kam es zu Differenzen, als Arbeitsdienstwillige aus dem benachbarten Arbeitsdienstlager Urspringen die Bevölkerung dahingehend aufklären wollten, dass Deutsche nicht bei Juden einkaufen dürften. Weil sich einige Ortsbewohner, darunter auch Mitglieder des Gemeinderates Oberelsbach, für die jüdischen Kaufleute einsetzten, schritt die Gendarmerie zwecks Vermeidung weiterer Streitigkeiten ein.“

 

Die Ortsbewohner jedoch – und da besonders die Frauen – kauften weiter bei den jüdischen Kaufleuten ein und kümmerten sich überhaupt nicht um den Boykottaufruf. „Man hatte sogar vielfach den Eindruck, dass sie jetzt erst recht beim jüdischen Geschäftsmann einkauften“, berichtete Leo Silverman. Man kann auch nicht sagen, dass der Gemeinderat bereits zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft gegen die jüdischen Einwohner eingestellt war.

Dies zeigt auch dessen Beschluss vom 25. Februar 1933, wonach den Juden für den Religionsunterricht ein Ster Schnittholz zur Verfügung gestellt wurde. Dies wurde auch noch in den folgenden Jahren praktiziert, wie Leo Silverman sich erinnerte.

 

Im September 1933 erfolgte die Vereidigung des Gemeinderates auf den Führer und Reichskanzler, um deutlich zu machen, dass diese nicht mehr dem Bürgermeister, sondern Adolf Hitler direkt unterstanden. Mitte des Jahres 1934 wurde der 1. Bürgermeister beurlaubt und der bisherige 2. Bürgermeister ein Jahr später zu seinem  Nachfolger ernannt. Hier wurde ein unbequemer Bürgermeister seines Amtes enthoben und durch einen „linientreuen“ ersetzt.

 

In Oberelsbach gab es keine judenfeindlichen Plakate, wie 1935 in einem Bericht der Gendarmerie vermerkt wurde. Zu dieser Zeit arbeiteten auch christliche Frauen, die jünger als 45 Jahre waren, in jüdischen Haushalten, u.a. um das Familieneinkommen zu sichern, da die Männer oftmals arbeitslos waren. Die sog. Rassegesetze forderten, dass die Frauen älter als 45 Jahre sein mussten, doch in Oberelsbach wurde es von Bürgermeister und Gemeinderat geduldet.

 

Durch den Kreisleiter der NSDAP wurde am 9. November 1935 eine Neuordnung des Oberelsbacher Gemeinderats vorgenommen. Gemeinderatsmitglied Sigmund Riedenberger wurde   seines Amtes enthoben, weil er sich bei einem jüdischen Geschäftsmann eine warme Unterhose für den Winter gekauft hatte.

 

Die Pogromnacht vom 9./10. November 1938 war eine vom NS-Regime organisierte Gewaltmaßnahme gegen die jüdischen Mitbürger. Sie war ein offenkundiges Zeichen für die von den Nazis betriebene Verfolgung. In der Pogromnacht wurden aber nicht nur Wohnungseinrichtungen und Fensterscheiben zerstört, sondern ganz gezielt Menschen gedemütigt, geschlagen und gefoltert.

 

In Oberelsbach wurde in der Nacht vom 9./10.November 1938 von ca. 20 SA-Männern eine judenfeindliche Aktion durchgeführt. Diese kamen aus Ostheim v. d. Rhön mit ihrem Anführer, einem Metzger, und taten sich in Oberelsbach mit SA-Leuten aus Ober- und Unterelsbach zusammen. An den jüdischen Anwesen schlugen sie Fenster und Türen ein, zertrümmerten einen Großteil der Wohnungseinrichtung und zerstörten Lebensmittel und Kleidungsstücke. So wurden z. B. Eier und Mehl auf den Misthaufen geworfen, „der sich vor jedem Anwesen befand“, Betten aufgeschlitzt und deren Federn auf der Straße verstreut. Kleider und Schuhe wurden zerstört; letztere lagen sogar vor den Türen der Gastwirtschaft „Rhönlust“, dem Parteilokal der NSDAP. Aber Kleidungsstücke und Inventar wurden erst dann zerstört, nachdem sich die SA-Leute mit brauchbaren Gegenständen eingedeckt hatten. „Das war kein ‚undeutsches Verhalten‘, hier konnten die Besitztümer der Juden verwendet werden. Wenn dagegen jemand bei jüdischen Kaufleuten einkaufte, wurde dies als ‚undeutsches Verhalten’ abgestempelt“.

 

Paula Silbermann, die Tochter von Max Silbermann, flüchtete, von den Gräueltaten geschockt – barfuß und nur mit einem Nachthemd bekleidet – mit ihrem Koffer in der Hand bis zur Kapelle am Ortsausgang, wo sie sich rasch ankleidete und nach Wegfurt zum Zug eilte. „Sie hatte zwar schon öfter davon gesprochen auszuwandern, doch konnte sie sich nie dazu entschließen, ihre Familie endgültig zu verlassen. Doch die Ereignisse in dieser Nacht veranlassten sie, ihren Entschluss in die Tat umzusetzen.“

 

Heinrich Silbermann, der Vater von Leo Silverman, verkroch sich – gewarnt vom Lärm, der draußen herrschte – unter der Futterkrippe im Stall, um von den SA-Leuten nicht gefunden zu werden.

 

Rosalie Haas und ihre Tochter Selma flüchteten in ihrer Angst in die Scheune ihres Anwesens, damalige Haus. Nr. 183, heute Steingasse, „… und kletterten auf der Leiter in den obersten First, um den randalierenden SA-Männern zu entgehen. Da beide schwindlig waren, konnten sie auf der Leiter nicht zurück. Der Nachbar Ludwig Baumeister befreite die beiden Frauen aus ihrer misslichen Lage.“

 

Das Foto von Reinhold Omert zeigt das ehemalige Anwesen der Familie Haas kurz vor dem Abbruch. Dieses wurde im Jahre 1998 vom Markt Oberelsbach erworben und abgerissen. Es soll sich um die älteste „jüdische Hofstelle“ in Oberelsbach handeln. Der Hausname sei „Frommle“ gewesen.

Auch der katholische Ortspfarrer Franz Hack empörte sich über die Vorkommnisse in dieser Nacht und schreibt in der Pfarrchronik: „Hier fuhr nachts 3 Uhr ein Auto mit SA-Leuten von Ostheim an. R. S. und der Postbote H. zeigten die Judenhäuser und nun tobten sich diese Leute wie die Wilden aus: den Juden wurden alle Fenster und Türen eingeschlagen, auch die Fensterrahmen zerschlagen, dann wurde im Innern alles buchstäblich kurz und klein geschlagen, alle Schränke, Spiegel, Geschirr, Öfen – auch die eisernen – die Betten aufgeschlitzt und z. T. auf die Straße geworfen, man konnte nicht mehr schlimmer hausen, niemand schritt ein, ja es sollen sogar hiesige Leute mitgeholfen haben! Am Nachmittag des 10. wurden dann noch 3 Juden verhaftet und ins Gefängnis fortgeführt. Das Traurigste an der Sache ist, daß es hier ziemlich Leute gibt, die solche Handlungen für richtig halten, so weit ist also schon die Verkehrung aller Werte gediehen, daß man das Verbrechen für Recht hält. Was wird wohl aus solchen Dingen noch reifen?! Den hiesigen Judensturm hat auch als aktiver Teilnehmer der protestantische Pastor von Ostheim mitgemacht!!

 

Gendarmeriemeister Johannes Geist von der Gendarmeriestation Oberelsbach vermerkte am 28. November 1938 in den Akten, dass „an den jüdischen Geschäften und Wohnhäusern durchwegs sämtliche Fenster und Türen eingeschlagen […] und die Wohnungseinrichtungen fast vollständig zertrümmert wurden. Der Sachschaden wird auf etwa 5000,- RM geschätzt.“

Bei der Befragung während des Prozesses 1949 über die Reichspogromnacht  erinnerte sich der ehemalige Oberelsbacher Gendarmeriemeister Johnnes Geist an folgende Beschädigungen:

Heinrich Silbermann: Fensterscheiben.

Samuel Silbermann: Fenster eingeschlagen, Telefon zerstört, Herdplatte zusammengeschlagen.

Max Silbermann: Schlafzimmer und Betten auseinander, auf der Straße lagen Eier.

Moritz Kahnlein: Schaufenster eingeschlagen, im Innern des Hauses ebenfalls Beschädigungen.

Gabriel Haas: Betten auseinander gerissen, Bettfedern lagen auf der Straße.

Bei Max Frank, Abraham Haas und Rosalie Haas und auch in der Synagoge wurde nichts zerstört.

 

In der Oberelsbacher Bevölkerung, aber auch in den umliegenden Ortschaften, herrschte nach diesen schrecklichen Taten helle Empörung über das Vorgehen der SA gegen die jüdischen Einwohner. „Viele merkten hier erstmals, wie ernst es den Nationalsozialisten mit ihrer Drohung war, das jüdische Volk auszurotten. Denn die Zerstörungen waren mutwillig und völlig sinnlos, wenn man die sowieso ernste Rohstoff- und Versorgungslage betrachtet“, erinnerte sich Franz Katzenberger.

Da sich diese sinnlosen Zerstörungen bald herumgesprochen hatten, bestanden schwere Befürchtungen hinsichtlich der Gebefreudigkeit zum Winterhilfswerk. Denn es wurden Stimmen laut, „wenn man Lebensmittel derart ungehindert zerstören darf, dann haben wir es auch nicht nötig, weiter noch beizusteuern.“

 

Folgende jüdische Bürger wurden in der Reichspogromnacht in Bad Neustadt a. d. S. In „Schutzhaft“ genommen und bei der Gestapo Würzburg staatspolizeilich erfasst: Max Silbermann, Samuel Silbermann, Moritz Kahnlein (sie wurde am 19.11.1938 aus der „Schutzhaft“ entlassen) und Albert Kahnlein. Letzterer wurde als „Schutzhäftling“ in das Konzentrationslager Dachau, Block 23, Zimmer 2 eingewiesen. In einem Schreiben vom 27.12.1938 bittet sein Vater Moritz Kahnlein das Bezirksamt Bad Neustadt/S. um die Entlassung seines Sohnes aus der Schutzhaft, da dieser das Ausreisevisum seines Sohnes für China am 15.12.1938 erhalten hatte. Am 2. Januar 1939 beantwortete die Gestapo Würzburg das Schreiben mit einer positiven Antwort, da „[…] gegen die Entlassung des Juden Albert Kahnlein“ keine Bedenken bestünden. Ferner wurde mitgeteilt, dass die Entlassung beantragt worden sei. Am 7. Januar kam er aus dem KZ Dachau frei.

 

Zwangswohnung

 

Vor dem Jahr 1933 gab  es neben der Synagoge und dem Schulhaus/Mikwe zwölf Häuser jüdischer Familien, noch vor 1933 waren bereits drei jüdische Familien weggezogen.

Die noch in Oberelsbach wohnenden Juden wurden nach der Pogromnacht alle im Haus von Samuel und Betty Silbermann (damalige Hausnummer 220) untergebracht, wo sie auf engstem Raum zusammenleben mussten. Die jüdischen Häuser wurden 1939 verkauft und im Mai des gleichen Jahres den neuen Eigentümern notariell zugeschrieben.

 

Zur Zwangsumquartierung der jüdischen Bürger ein Bericht von Mechthilde Katzenberger, die mit ihrem Mann Adolf das Anwesen erworben hat, das ursprünglich Rosalie und Selma Haas gehörte.

„Es war etwa Anfang des Jahres 1942, als Bürgermeister Alfred Lampert zu uns in das Haus kam. Er sagte uns, dass wir Bombengeschädigte aufnehmen sollten. Doch dies konnten wir platzmäßig nicht tun, da zum einen unsere Familie sowie zwei Jüdinnen (Rosalie Haas mit ihrer Tochter Selma) im Haus wohnten. Als er erfuhr, dass wir noch zwei Jüdinnen im Haus hatten, ging er in das obere Stockwerk – denn die beiden wohnten oben – und stieß die zwei Frauen brutal die Treppe hinab. Daraufhin kamen auch sie in das Haus von Samuel Silbermann, in dem sich sämtliche Juden, die noch in Oberelsbach waren, aufhalten mussten.“

In der Zwangswohnung lebten Samuel (verstorben 1941) und Betty Silbermann, Heinrich Silbermann, Moritz und Marianne Kahnlein, Rosalie und Selma Haas. Ob auch Gabriel und Selma Haas bis zu ihrer Ausreise nach Schweden im Spätherbst 1939 in der Zwangswohnung lebten oder noch in ihrem Haus verblieben waren, konnte nicht geklärt werden.

 

Wenn Sie mehr über die weiteren Schicksale der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erfahren möchten, lesen Sie bitte die verlinkten Artikel.

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