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1939 wohnten noch folgende jüdische Mitbürger in Oberelsbach, die der Vernichtung durch die Nationalsozialisten nur deshalb entgingen, weil sie Deutschland rechtzeitig verlassen konnten:
FRANK Max, geb. 26.04.1886 (Textilwarenhändler) und Meta, geb. Hirschmann am 28.07.1885, emigrierten 1939 mit ihren Töchtern Fanny, geb. 25.10.1914, und Nora, geb. 06.01.1920, in die USA.[2]
HIRSCHMANN Eva, geb. Heinemann am 13.06.1858 in Fuchsstadt, die Mutter von Meta Frank und Hilde Silbermann, wanderte mit ihren Angehörigen ebenfalls in die USA aus.[3]
HAAS Sigmund gelang 1935 die Ausreise nach Südafrika, den Behörden wurde mitgeteilt, dass er die Staatsangehörigkeit der Südafrikanischen Union erhalten hatte.[4]
HAAS Gabriel, geb. am 02.11.1873 (Viehhändler) und Selma, geb. Baum, am 27.04.1879, zogen im Spätherbst 1939, nach Ausbruch des Krieges, zunächst nach Schweden zu ihrem Sohn Leopold, geb. am 23.07.1903. Leopold arbeitete bereits seit dem Frühjahr 1938 in Schweden und konnte für seine Eltern ein Transitvisum erhalten. Im Frühjahr 1941 reisten Gabriel und Selma weiter in die Vereinigten Staaten, zu ihrer Tochter Kathinka, geb. am 25.12.1904. Diese war seit 1927 mit Nathan Kaufmann verheiratet und lebte mit ihm und den gemeinsamen Kindern Karl und Lothar in Großkrotzenburg. Im Mai 1939 waren sie dort noch wohnhaft, danach gelang ihnen die Ausreise in die USA. Dort bewirtschafteten sie eine Farm in New Jersey, an der Ostküste.
Als Gabriel und Selma ihren Heimatort Oberelsbach verließen, wurden sie von alten Freunden bespuckt. Sie gehörten zu den Letzten, die vor den Nazis fliehen konnten.
Gabriel verstarb am 13.05.1950 in New Jersey, USA und ist auf dem Friedhof Paramus, New Jersey, beigesetzt. Selma zog 1953, nach dem Tod ihrer Schwiegertochter zu ihrem Sohn Leopold nach Schweden. In Stockholm starb sie am 27.09.1963. Leopold verstarb am 29.05.1971 in Stockholm, Schweden; Kathinka am 19.05.1996 in New Jersey, USA.[5]
HAAS Michael und seine Zwillingsschwester Rosi, beide geb. am 11.10.1910, wanderten in die Vereinigten Staaten aus.
SILBERMANN Leo, geb. 03.02.1915, flüchtete nach England, sein Bruder Manfred, geb. 28.10.1910, reiste nach Palästina aus. Die beiden waren die Söhne von Heinrich Silbermann, der im Ghetto Theresienstadt verstarb.
SILBERMANN Max, geb. 18.11.1888 und Hilde, geb. Hirschmann, am 09.08.1886, flüchteten im Herbst 1939 mit ihren Kindern Heinz, geb. am 07.09.1924, und Anneliese, geb. am 20.03.1923, in die Vereinigten Staaten.
Ihre Tochter Paula Silbermann, geb. am 18.05.1920, war seit Februar 1937 beim Rabbiner Abraham Michalski in Karlsruhe in Stellung, um sich auf eine Haushaltsschule der zionistischen Misrach-Bewegung vorzubereiten. Sie war in der Pogromnacht zu Besuch bei ihrer Familie und flüchtete bereits während der schrecklichen Ereignisse barfuß und nur mit einem Nachthemd bekleidet bis zur Kapelle am Ortsausgang. Dort kleidete sie sich rasch an und eilte nach Wegfurt zum Zug. Sie wanderte nach New York, USA aus.[6]
[1]Die Daten der Überlebenden entsprechen dem heutigen Stand und sind möglicherweise nicht vollständig.
[2]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimatjahrbuch 2015, S. 196-217
Namensverzeichnis, der am 30. Januar 1933 in Oberelsbach wohnhaft gewesenen Juden, vom Markt Oberelsbach erhalten
[3] Mehr als Steine – Synagogengedenkband III/2.1, S. 831
[4] Mehr als Steine – Synagogengedenkband III/2.1, S. 831
[5]E-Mail-Kontakte mit Peter Haas, Leopolds Sohn, zwischen Mai und Juli 2025.
[6]Wie Fußnote 2 und 3
Moritz Kahnlein wurde am 18.12.1877 als Moses Kahnlein in Reyersbach als Sohn von Feibel Kahnlein und dessen Frau Hanna, geb. Sachs geboren. Moritz entstammte einer alteingesessenen Reyersbacher Familie, die schon im Jahre 1817 in den Matrikellisten genannt wurde.
Sein Vater Salomon Feibel Kahnlein, geb. am 03.04.1841, war von Beruf Metzgermeister und wohnte in Reyersbach in der Hausnr. 6.
Feibels Eltern hießen Moses Kahnlein und Jedel Lichtstern, die aus Weisbach stammte.[1]
Moritz heiratete im April 1907 Marianne, geb. Wildberg (geb. am 03.08.1877 in Kleinbardorf). Bis zum Jahre 1907 war er Viehhändler und Metzger im elterlichen Geschäft, danach selbständiger Viehhändler. Ungefähr 1930 übernahm er in Oberelsbach die Eisenwarenhandlung des gebürtigen Weisbachers Markus Lichtstern, als dieser im Juni 1930 verstarb. Markus Lichtstern war vermutlich ein Verwandter seiner Großmutter Jedel Lichtstern. In Oberelsbach wohnte die Familie in der Hausnummer 192.
Mit seiner Frau Marianne hatte er zwei Söhne, Albert (geb. am 4. 11. 1908) und Siegfried (geb. am 16. 9. 1912), die beide in seinem Heimatort Reyersbach geboren waren.
Als Juden im Jahr 1937 der Viehhandel verboten wurde, musste Moritz diesen zum 1. Januar 1938 aufgeben. Zum 1. Dezember 1938 folgte die Abmeldung der Eisenwarenhandlung, da mittlerweile verfügt war, dass zum 31. Dezember 1938 alle jüdischen Gewerbebetriebe abgemeldet sein mussten.
In der Pogromnacht wurden die Schaufensterscheiben ihres Hauses eingeschlagen und im Inneren Gegenstände beschädigt bzw. zerstört. Die Täter waren nicht aus Oberelsbach, sondern kamen aus Ostheim v. d. Rhön. Moritz Kahnlein wurde zusammen mit seinem Sohn Albert und zwei weiteren Oberelsbacher jüdischen Bürgern in „Schutzhaft“ im Amtsgerichtsgefängnis Bad Neustadt a. d. S. genommen und bis 19. November 1938 inhaftiert.[2]
Währenddessen waren Moritz und Marianne gezwungen, ihr Wohnhaus „zu verkaufen“ und zusammen mit weiteren Oberelsbacher Juden im Haus von Samuel und Betty Silbermann in der „Zwangswohnung“ zu leben.
Am 22. April 1942 kam Moritz mit seiner Frau und zwei Oberelsbacher Jüdinnen zunächst nach Bad Neustadt a. d. S. Ein PKW der Firma Lesch aus Bad Neustadt a. d. S. holte sie ab, ein Zug brachte die Oberelsbacher mit weiteren 55 Juden aus dem damaligen Landkreis Bad Neustadt nach Würzburg. Bei der Durchsuchung im Platz’schen Garten wurden ihm zehn Esslöffel und acht Kaffeelöffel, ein Messer und eine Gabel abgenommen. Drei Tage später wurden sie nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet.[3]
[1]Herzlichen Dank an Reinhold Albert, der mir die Transkription der Matrikelliste Reyersbach der Fam. Kahnlein zur Verfügung stellte.
[2]Mehr als Steine – Synagogengedenkband III/2.1, S. 831
[3]Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217
Chronik des Marktes Oberelsbach, 2012, S. 321-333
https://jufged.rotraud-ries.de/jg-oberelsbach/
Marianne Kahnlein, geb. Wildberg, wurde am 03.08.1877 als Tochter des Kaufmanns Löb Wildberg und seiner Frau Carolina, geb. Steinhäuser in Kleinbardorf geboren. Nach der Hochzeit im April 1907 zog Marianne zu ihrem Mann Moses (später Moritz genannt), geb. am 14.12.1877 in Reyersbach, in dessen Wohnort. Mit ihm hatte sie die Söhne Albert (geb. 04.11.1908) und Siegfried (geb. 16.09.1912).
Bis zum Jahre 1907 war ihr Mann Viehhändler und Metzger im elterlichen Geschäft, danach selbständiger Viehhändler. Ungefähr 1930 übernahm er in Oberelsbach die Eisenwarenhandlung des gebürtigen Weisbachers Markus Lichtstern, weshalb die Familie nach Oberelsbach umzog und in der Hausnummer 192 wohnte. Im Jahre 1937 wurde Juden der Viehhandel verboten. Zum 1. Januar 1938 musste er deshalb die Viehhandlung und zum 1. Dezember 1938 auch die Eisenwarenhandlung abmelden, denn mittlerweile war zusätzlich verfügt, dass zum 31. Dezember 1938 alle jüdischen Gewerbebetriebe abzumelden seien.
In der Pogromnacht wurden die Schaufensterscheiben ihres Hauses eingeschlagen und im Inneren Gegenstände beschädigt bzw. zerstört. Die Täter waren nicht aus Oberelsbach, sondern kamen aus Ostheim v. d. Rhön. Mariannes Mann Moritz wurde zusammen mit dem Sohn Albert und zwei weiteren Oberelsbacher jüdischen Bürgern (Max und Samuel Silbermann) im Amtsgerichtsgefängnis Bad Neustadt a. d. S. in Schutzhaft genommen und bis 19. November 1938 eingesperrt.
Währenddessen waren Marianne und ihr Mann gezwungen, ihr Wohnhaus „zu verkaufen“ und zusammen mit weiteren jüdischen Oberelsbacher Bürgern im Haus von Samuel und Betty Silbermann in der „Zwangswohnung“ zu wohnen. Am 22. April 1942 kam Marianne mit ihrem Mann und zwei weiteren Oberelsbacher Jüdinnen zunächst nach Bad Neustadt a. d. S. Ein PKW der Firma Lesch aus Bad Neustadt a. d. S. holte sie ab und mit dem Zug wurden die Oberelsbacher zusammen mit weiteren 55 Juden aus dem damaligen Landkreis von Bad Neustadt nach Würzburg gebracht. Bei der Durchsuchung im Platz’schen Garten wurden ihrem Mann zehn Esslöffel und acht Kaffeelöffel, ein Messer und eine Gabel abgenommen. Drei Tage später wurden sie nach Krasniczyn deportiert und dort im Raum Lublin ermordet.[1]
[1]Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217
Chronik des Marktes Oberelsbach 2012 S. 321-333
https://jufged.rotraud-ries.de/jg-oberelsbach/
Albert Kahnlein wurde am 4. November 1908 in Reyersbach bei Mellrichstadt als erstes Kind des Vieh- und Eisenwarenhändlers Moses (Moritz) Kahnlein und dessen Ehefrau Marianne geb. Wildberg geboren. Er besuchte nach der Volksschule die Realschule, war kaufmännischer Lehrling und dann kaufmännischer Gehilfe. Ab dem Jahre 1928 war er im elterlichen Viehhandelsgeschäft tätig, seit ca. 1930 in Oberelsbach, wohin die Familie um 1930 gezogen war.
Bereits 1935 trugen Albert und sein Bruder Siegfried sich mit der Absicht, nach Argentinien zu emigrieren, um dort in einer sog. ICA-Siedlung (Jewish Colonization Association) zu leben. Diesen Plan setzten sie allerdings nicht um.
Als den Kahnleins im Jahr 1937 ihre Viehhandelskarte entzogen wurde, wandten sie sich Anfang Januar 1938 an den Bad Kissinger Distriktsrabbiner Max Ephraim, mit der Bitte, ihnen bei der Suche nach einer Beschäftigung für die Brüder Albert und Siegfried behilflich zu sein. Auf Vermittlung Max Ephraims kam kurze Zeit später ein Vorstellungsgespräch in Bad Kissingen zustande, und beide erhielten Zusagen für eine Anstellung.
Seit 1. April 1938 war Albert Kahnlein als Haus- und Küchenhilfe im Hotel Seelig in Bad Kissingen beschäftigt. Während des Novemberpogroms hielt er sich jedoch in Oberelsbach auf. In der Nacht zum 10. November 1938 zwischen 3.00 und 3.30 Uhr am Morgen wurden die Schaufensterscheiben im Haus der Kahnleins eingeschlagen und im Innern des Hauses Gegenstände beschädigt, z. T. auch zerstört. Die Täter kamen aus Ostheim v. d. Rhön, die Häuser der jüdischen Bewohner wurden ihnen von zwei ortsansässigen Bürgern gezeigt. Albert wurde gemeinsam mit seinem Vater Moritz und zwei weiteren Oberelsbacher Bürgern in sog. Schutzhaft im Amtsgerichtsgefängnis Bad Neustadt a. d. S. genommen und bis 19. November 1938 eingesperrt.[1]
Albert jedoch wurde am 24. November 1938 ins KZ Dachau eingewiesen und erst am 7. Januar 1939 wieder entlassen. Der Vater bat das Bezirksamt Bad Neustadt um die Freilassung von Albert Kahnlein, da er das Ausreisevisum seines Sohnes nach China am 15. Dezember 1938 erhalten hatte.
Im Mai 1939 war Albert Kahnlein noch in Oberelsbach gemeldet, am 3. Oktober 1939 befand er sich schon im Arbeitseinsatz. Zuletzt war er im Landwerk Neuendorf tätig, einer jüdischen Ausbildungsstätte bei Fürstenwalde in der Nähe von Berlin, die zur Vorbereitung der Auswanderung diente. Albert Kahnlein verstarb am 13. November 1940 im jüdischen Krankenhaus in Berlin und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weisensee beigesetzt. Seine Eltern wurden am 22. April 1942 über Bad Neustadt a. d. S. und am 25. April 1942 ab Würzburg nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet. Sein jüngerer Bruder Siegfried wurde am 15. Dezember 1941 von Hannover nach Riga deportiert und dort ermordet, so dass niemand aus der Familie überlebte.[2]
[1]Mehr als Steine – Synagogengedenkband III/2.1, S. 831
[2]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimatjahrbuch Rhön Grabfeld 2015, S. 196-217
https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=313. Vielen Dank an Rudolf Walter für den freundlichen Hinweis.
https://jufged.rotraud-ries.de/jg-oberelsbach/
Siegfried Kahnlein wurde am 16.09.1912 in Reyersbach im heutigen Landkreis Rhön-Grabfeld geboren. Seine Eltern waren Moritz und Marianne Kahnlein, geb. Wildberg, der Vater war Vieh- und Eisenwarenhändler. Um 1930 zog die Familie nach Oberelsbach. Bereits 1935 planten Siegfried und sein Bruder Albert nach Argentinien auszuwandern, um dort in einer „ICA-Siedlung“ (Jewish Colonization Association) zu leben, woraus allerdings nichts wurde.[1]
Im Jahr 1937 waren auch die Kahnleins gezwungen, ihre Gewerbebetriebe abzumelden. Deshalb kontaktierten sie den Bad Kissinger Distriktsrabbiner Max Ephraim und baten ihn bei der Suche nach Arbeit um Unterstützung. Siegfried war wie sein Bruder Albert in Bad Kissingen beschäftigt, wie auch einem Hinweis auf den Wohnort Bad Kissingen zu entnehmen ist.[2] Wo er tatsächlich gearbeitet hat ist nicht geklärt. In den Akten der Israelit. Kultusverwaltung ist vermerkt, dass er im Juni 1938 im Hotel Seelig als „Hausbursche“ angestellt war, eine andere Quelle nennt Dr. Bamberger als Arbeitgeber.[3]
Vor der Deportation wohnte der ledige junge Mann noch am 15. Oktober 1938 in Reyersbach, danach in Hannover (lt. Volkszählung vom 17. Mai 1939 in der Lortzingstr. 5)[4] wo er als Zwangsarbeiter bei der „Dampfwaschanstalt August Gieseler“ beschäftigt war. Auf der Deportationsliste ist als letzter Wohnort in Hannover, An der Strangriede 55, angegeben. Hierbei handelt es sich um das Gelände des jüdischen Friedhofs Hannover. Zwischen September 1941 und April 1945 dienten die Gebäude auf dem Friedhofsgelände als „Zwangswohnung“, „… in der jüdische Männer, Frauen und Kinder in unbeschreiblicher Enge vegetierten“.
Am 15. Dezember 1941 wurde er von Hannover nach Riga deportiert und ermordet.[5] Nur wenige Monate später wurden seine Eltern nach Krasniczyn deportiert und in der Umgebung von Lublin ebenfalls ermordet. Der ältere Bruder Albert war bereits 1940 im jüdischen Krankenhaus in Berlin gestorben.[6]
[1]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimatjahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217
[2]https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de892590
[3]https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=313. Vielen Dank an Rudolf Walter für den freundlichen Hinweis.
[4]Herzlichen Dank an Elisabeth Böhrer für den freundlichen Hinweis.
[5]https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_nwd_411215-46.html
http://www.tenhumbergreinhard.de/1933-1945-lager-1/1933-1945-lager-h/hannover-an-der-strangriede-55.html
Transportliste Hannover, lfd. Nr. 899.
[6]Wie Fußnote 1
Selma Haas wurde am 11. März 1893 in Oberelsbach geboren. Ihre Eltern waren Salomon (geb. am 08. Juni 1862 in Oberelsbach, verstorben am 17. Januar 1932 in Oberelsbach) und Rosalie Haas, geb. Oppenheimer (geb. am 27. November 1867 in Maroldsweisach, am 22. Juli 1944 im Ghetto Theresienstadt verstorben). Ihr Vater war in Oberelsbach als Viehhändler tätig.
Selma hatte Zwillingsbrüder, nämlich Karl und Hermann (geb. am 28. Juli 1895 in Oberelsbach), die beide am 1. Weltkrieg teilnahmen. Am 10. Juli 1925 zog ihr Bruder Hermann nach Neustadt a. d. S., wo er zusammen mit seiner Familie wohnte. Karl lebte mit seiner Ehefrau in Essen.
Die Familie bewohnte in Oberelsbach ein eigenes Haus mit der Hausnummer 183, seit dem Tod des Vaters nur noch Selma und ihre Mutter Rosalie. Aufgrund der „Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 03.12.1938“ waren „…jüdische Hauseigentümer verpflichtet, ihre Immobilien…. zu verkaufen“. Doch auch danach ließen die neuen Eigentümer sie zusammen mit ihnen im Haus bleiben und unter dem Dach wohnen. Anfang des Jahres 1942 mussten Rosalie und Selma auf Geheiß des Bürgermeisters in das ehemalige Haus von Samuel Silbermann, Hausnummer 230, in die „Zwangswohnung“, umsiedeln.
Am 22. April 1942 wurde Selma mit drei anderen in Oberelsbach wohnenden jüdischen Mitbürgern (Marianne Kahnlein, Moritz Kahnlein und Betty Silbermann) zunächst mit einem PKW nach Bad Neustadt, anschließend mit dem Zug nach Würzburg abtransportiert. Ihre Mutter Rosalie Haas und Heinrich Silbermann blieben zu diesem Zeitpunkt noch in Oberelsbach zurück.
Drei Tage später, am 25. April, wurde sie von dort nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet.[1]
[1]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217
Betty Silbermann, geb. Schmidt, am 10.01.1883, kam aufgrund ihrer Heirat von Aschenhausen nach Oberelsbach. Sie war die Tochter des Viehhändlers Abraham Schmidt und seiner Ehefrau Hannchen, geb. Baum. Ihr Ehemann war Samuel Silbermann, der seit 1898 in Oberelsbach als selbständiger Metzger und Viehhändler tätig war. Sie wohnten in Oberelsbach in der Hausnummer 220.
Betty und Samuel hatten einen Sohn, Siegfried, geb. am 12.03.1904. Er verstarb am 23.01.1937 in Würzburg, und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Würzburg, Siemensstr., beerdigt.[1]
Außerdem eine Tochter, Flora Franziska, geb. am 20.03.1908, verstorben am 05.05.1917 im Alter von 9 Jahren. Sie wurde auf dem Friedhof in Neustädtles beigesetzt.[2]
In der Pogromnacht wurden an ihrem Haus Türen und Fenster eingeschlagen, Telefon und Herdplatte zerstört sowie weitere Beschädigungen vorgenommen. Außerdem wurde ihr Mann Samuel zusammen mit anderen Oberelsbacher Juden (Max Silbermann, Moritz und Albert Kahnlein) in sog. Schutzhaft im Amtsgerichtsgefängnis Neustadt a. d. S. genommen.[3]
Betty und Samuel wurden – wie die anderen ansässigen Juden auch – gezwungen, ihr Haus zu „verkaufen“. Darin wurde dann die „Zwangswohnung“ eingerichtet, in der alle Jüdinnen und Juden zusammen wohnen mussten, die noch in Oberelsbach lebten.
Ihr Ehemann Samuel verstarb am 24.06.1941 während eines stationären Krankenhausaufenthaltes in Bad Neustadt. Vermutlich wurde er auf dem jüdischen Friedhof in Neustädtles oder Bad Neustadt a. d. S. beerdigt.
Am 22. April 1942 wurde Betty zusammen mit Selma Haas sowie Marianne und Moritz Kahnlein über Bad Neustadt nach Würzburg gebracht, von dort am 25.04.1942 nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet.[4]
[1]Standesamt Oberelsbach, jetzt Archiv Oberelsbach, Geburtsreg. Nr. 11/1904; der Eintrag beinhaltet folgenden Rückvermerk: „gestorben Nr. 154/1937 Würzburg“. Wahrscheinlich ist er im jüdischen Krankenhaus gestorben. Sein Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Würzburg hat folgende Aufschrift: „Siegfried Silbermann aus Oberelsbach, geb. … März 1904, gest. 23.01.1937“. Er gehörte in den Jahren 1933-1935 noch zur Kultusgemeinde in Oberelsbach. Danke an Elisabeth Böhrer für den freundlichen Hinweis.
[2]Standesamt Oberelsbach, jetzt Archiv Oberelsbach, Geburtsreg. Nr. 3/1908; Standesamt Oberelsbach, jetzt Archiv Oberelsbach, Sterbereg. Nr. 15/1917. Danke an Elisabeth Böhrer für den freundlichen Hinweis.
[3]Mehr als Steine – Synagogengedenkband III/2.1, S. 831
[4]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217
Rosalie Haas, geb. Oppenheimer, wurde am 26.11.1867 in Maroldsweisach als 5. Kind des Webermeisters Emmanuel Oppenheimer und dessen Frau Fanny, geb. Gutmann, geboren.
Sie war mit dem Viehhändler Salomon Haas, geb. am 08. Juni 1862, aus Oberelsbach verheiratet. Das Ehepaar hatte 3 Kinder: Tochter Selma, geb. am 11. März 1893 in Oberelsbach sowie die Zwillingssöhne Karl und Hermann, geb. am 28. Juli 1895, ebenfalls in Oberelsbach.
Ihr Ehemann Salomon verstarb am 17. Januar 1932 in Oberelsbach und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Neustädtles beigesetzt.[1]
Ihr Sohn Karl lebte mit seiner Frau Hella, geb. Schneider, am 05.05.1910, in Essen;
sie wurden am 22. April 1942 von Düsseldorf nach Izbica deportiert.
Hermann erlernte nach dem Schulbesuch den Beruf des Metzgers. Er musste, wie sein Zwillingsbruder, am 1. Weltkrieg teilnehmen. Der Eintritt erfolgte am 19. Juli 1915 und er wurde – wohl aufgrund seines Berufes – im Januar 1916 dem bayer. Pferdelazarett 11 zugeordnet. In der Schlacht bei Verdun vom 4. März bis 18. April 1916 war er ebenso eingesetzt wie bei intensiven Kämpfen vom 17. Juni bis 10. Juli 1916. Am 25. Oktober 1918 kam er zu einer Krankensammelstelle und wurde bereits am 7. November einer neuen Abteilung zugeordnet. Als Auszeichnung erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse.
Hermann zog am 10. Juli 1925 von Oberelsbach nach Neustadt a. d. S. und wohnte ab April 1926 in der Haus Nr. 188 (= Schuhmarktstr. 5). Am 29. Juni 1925 heiratete er in Gersfeld seine Frau Selma, eine geborene Goldner (geb. 14.05.1902 Gersfeld). Das Paar kaufte laut Vertrag vom 19. April 1926 zu je ½ Miteigentum von Sigmund Franken und Erben das Anwesen in der Schuhmarktstr. 5, in dem sie bis zu ihrer Deportation wohnten. Ihr gemeinsamer Sohn Albert wurde am 1. August des gleichen Jahres geboren. Hermann Haas betrieb einen Viehhandel, den er am 15. Dezember 1938 abmelden musste. Das Grundstück mit dem Wohnhaus wurde laut Vertrag vom 9. Juni 1939 an die Villsche Altenstiftung verkauft. Sohn Albert ging am 20. April 1941 von Bad Neustadt nach München, um dort das IKG Lehrlingsheim in der Hohenzollernstr. 4 zu besuchen. Sein Arbeitsbuch wurde in München ausgestellt und wies ihn als Schlosserlehrling aus. Von dort kam er Anfang November 1941 wieder nach Neustadt ins Elternhaus zurück.
Die Familie kam mit weiteren 42 Neustädtern, und vielen anderen aus der Region, darunter auch die zuletzt in Oberelsbach wohnhafte Schwester Selma, am 22. April 1942 nach Würzburg. Bei der Durchsuchung im Platz’schen Garten wurden ihnen 3 Löffel abgenommen. Drei Tage später, am 25. April, erfolgte die Deportation nach Krasniczyn. Sie wurden im Raum Lublin ermordet. Ein exaktes Todesdatum ist nicht bekannt. Hermann Haas, seine Frau Selma und der Sohn Albert wurden durch Beschluss des Amtsgerichts Bad Neustadt vom 20. Oktober 1953 für tot erklärt.[2]
Nach Salomons Tod wohnten Rosalie und die Tochter Selma zusammen in der Hausnummer 183. Aufgrund der „Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 03.12.1938“ waren „…jüdische Hauseigentümer verpflichtet, ihre Immobilien…. zu verkaufen“. Doch auch danach ließen die neuen Eigentümer Rosalie und Selma Haas mit ihnen im Haus bleiben und unter dem Dach wohnen. Alle anderen jüdischen Mitbürger waren zu der Zeit bereits alle in der „Zwangswohnung“ untergebracht und zwar in dem Haus, das Samuel Silbermann (Hausnummer 220) gehört hatte. Anfang 1942 jedoch zwang sie der damalige Bürgermeister dazu, das Haus zu verlassen; Rosalie und Selma mussten ebenfalls in die Hausnummer 230, in die „Zwangswohnung“, ziehen.
Am 22. April 1942 wurde die Tochter Selma zusammen mit Marianne und Moritz Kahnlein sowie Betty Silbermann über Bad Neustadt und Würzburg nach Krasniczyn deportiert und dort im Raum Lublin ermordet.
Im Juni 1942 wurde Rosalie zusammen mit Heinrich Silbermann in das „Israelitische Kranken- und Pfründnerhaus“, Dürerstr. 20, in Würzburg eingewiesen. Am 10. September 1942 hat man sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 22. Juli 1944 verstarb.[3]
[1]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217
[2]Herzlichen Dank an Elisabeth Böhrer für diese Informationen
[3]Wie Fußnote 1
Heinrich Silbermann wurde am 27.10.1866 in Oberelsbach geboren. Von Beruf war er Weinhändler. Seine Ehefrau war Babette, geb. Kahnlein, am 24.02.1869 in Reyersbach. Babette wurde auf dem jüdischen Friedhof Neustädtles beigesetzt, nachdem sie am 08.01.1935 verstorben war.[1] Wohnhaft waren sie in der Hausnummer 230 in Oberelsbach.
Ihre Söhne Manfred, geb. 28.10.1910, und Leo, geb. 03.02.1915, emigrierten nach Palästina bzw. England.
In der Pogromnacht wurden die Fensterscheiben ihres Hauses eingeschlagen.
Heinrich Silbermann, der seit 08.01.1935 verwitwet war, plante in die USA bzw. nach England auszuwandern, was er allerdings nicht mehr verwirklichen konnte.
Im Juni 1942 wurde Heinrich Silbermann gemeinsam mit Rosalie Haas in das „Israelitische Kranken- und Pfründnerhaus“, Dürerstr. 20, in Würzburg eingewiesen, wobei ihm „während der Dauer der Hilfsbedürftigkeit“ ein Freiplatz eingeräumt wurde. Am 22.09.1942 wurde sein Hausrat, dessen Verkauf er zuvor „beantragt“ hatte, veräußert. Den Großteil erwarb ein Bombengeschädigter aus Düsseldorf, den Rest ein Oberelsbacher Bürger.
Am 23.09.1942 wurde er ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 30.08.1943 verstarb.[2]
[1]Herzlichen Dank an Elisabeth Böhrer für die Überlassung des Verzeichnisses zur Belegung des Friedhofs Neustädtles
[2]Chronik des Marktes Oberelsbach 2012, S. 321-333
Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2015, S. 196-217
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